Gibt es sog. "Standschäden", oder nur Gerücht?

  • Wenn ein Auto nach(!) seinem Weg von der Endmontage (hier: Japan) zum Händler längere Zeit stand (z.B. ein Jahr), behaupten manche, man müsse beim Kauf auf sog. "Standschäden" achten. Gibt es solche? Wenn ja, was soll das sein? Nur Stammtischparolen?


    Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass die Reifen nicht mehr perfekt rund sind. Aber die Frage wäre auch, ob ein Händler einen Neuwagen auf seinem Gelände (im Verkaufsraum) wirklich Null-Komma-gar-nicht bewegt, innerhalb eines Jahres. Nur neues Öl wäre wohl noch angebracht.

    "Der BRZ ist ein Auto, dass es nicht nötig hat, aller Welt zu verkünden, wie gut es ist."


    BRandenburger Zweitürer mit Automatik zum Wohlfühlen. - Wozu gibt es viertürige Autos?


    Wegen des Genitivs heißt es WEGEN DES - nicht(!) "wegen dem" .

  • Also mein Tigra A mit einem knappen Jahrzehnt Standzeit... ja, der hat Standschäden :wacko:

    Aber von z.B. paar Wochen Überfahrt oder Stand bei Händler... Wie Hedonist scho schreibt könnten die Bremsen fest sein (im Verkaufsraum stehen die oft mit Keilchen oder nur eingelegtem Gang), vielleicht draußen bissle Flugrost (aber den bekommst eh überall), Reifen (aber deshalb bekommen die ab Werk mehr als genug Druck). Nach Jahren halt auch besser die Flüssigkeiten tauschen (Bremsflüssigkeit zieht Wasser, Sprit altert, Öl wird auch net besser... obwohl es vielleicht draufankommt, welches Öl eingefüllt wurde :/...), Riemen altern und werden brüchig... Aber so lange wie meiner in der Garage, steht normal keiner beim Händler ohne Bewegungsfahrt...

  • Meine Erfahrung ist, dass Standschäden um so häufiger auftreten, je älter das Material ist. Die italienischen Rennsemmeln, die ich im Reifegrad "gepflegter Oldtimer" (> 30 Jahre, wenig km, nicht restauriert) besaß, zeigten Ansätze von Standschäden bereits nach 3 Monaten Standzeit. Einer der 12 Radbremskolben war immer fest, irgend ein Schlauch oder eine Dichtung gab nach der Standzeit immer nach. Sobald das Ding regelmäßig bewegt wurde, trat dann wieder ganz normale Funktion ohne besondere Auffälligkeiten ein. An jüngeren Fahrzeugen konnte ich das so nicht beobachten. Ich hatte mal einen 8 Jahre alten Alfa mit 8.xxx km gekauft, der hatte eine jahrelange Standzeit offensichtlich trocken und gut belüftet hinter sich. Mit einem Zahnriemenwechsel, neuem Öl und Bremsflüssigkeit hab ich das Ding in Betrieb genommen. Von Standschäden war da nichts zu bemerken.

    Gruß aus dem Bergischen Land
    Andreas


    Wenn in meiner persönlichen Beziehung zum GT überhaupt ein Mangel besteht, dann ist es ein Mangel an Fahrkunst, Mut und Unvernunft, der allein dem Fahrer anzulasten ist.


    "Christian schnall Di o, weil jez foar i eana hi, dass's all die Lizenz abgebn." W. Röhrl in Arganil

  • Ich hab mal bei wirklich langen Standzeiten von Lagerschäden gehört, vorwiegend im Bereich Kurbelwelle, aufgrund der einseitigen Belastung. Aber keine Ahnung ob da wirklich etwas dran ist.


    Und haltn wie Lenny Jei schon sagte, werden nach wirklich langen Standzeiten halt gern auch mal Gummimaterialen porös. Nicht nur Keilriemen, auch die ganzen Schläuche können darunter leiden. Aber sowas sollte bei einem Jahr Standzeit ja lange noch nicht auftreten.

  • Ich hab mal bei wirklich langen Standzeiten von Lagerschäden gehört, vorwiegend im Bereich Kurbelwelle, aufgrund der einseitigen Belastung. Aber keine Ahnung ob da wirklich etwas dran ist.

    Für den reinen Stand eines Autos ist das imho eher akademisch, als tatsächlich nachweisbar. Allerdings bilden sich solche Schäden typischerweise bei Schiffstransporten aus. Die niederfrequenten Schwingungen des Schiffsantriebes und die Stöße der Wellen können über die Zeit tatsächlich Lager schädigen.


    Standschäden sind oben schon beschrieben worden.

    Grüße aus Soest
    Frank
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    Die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Kurve

  • Ich hatte bei meinem BRZ vermutlich einen Standschaden bezüglich der festgebackenen Bremsen...

    Stand bis zu meinem Kauf rund 6 Monate rum. Nach einigen Wochen bemerkte ich beim Bremsen Vibrationen welche immer stärker wurden. Neue Scheiben und Beläge haben geholfen und seither ist auch nichts negatives dazu gekommen.

  • Guten Morgen und vielen Dank für die Antworten. Schiffstransporte haben ja nu alle unsere Subayota hinter sich. Ob der im Verkaufsraum stand und wenn ja wieviele % der Zeit - wer solls wissen? :/


    Und Nee, nicht 60er Jahre, sondern wie gesagt Neuwagen, der nach der Ankunft beim Händler seit einem JAhr nicht verkauft wurde, mit "Null" km.


    Fazit: Ich grübel weiter ||

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  • Fazit: Ich grübel weiter ||

    Ich würd mir da eigentlich keine großen Sorgen machen. Je nach Hersteller hast du doch mindestens zwei Jahre Gewährleistung. Und die zählt erst ab Erstzulassung des Autos. Ob der Wagen jetzt ein Jahr bei dem Händler auf dem Hof stand, ist doch unerheblich. Hauptsache er war noch nicht zugelassen. Außerdem machen die vor Auslieferung doch sowieso eine Durchsicht. Ob die Bremse fest oder die Reifen viereckig sind, werden die dabei schon feststellen ;)


    Ich würd höchstens mal fragen, ob die nach der langen Standzeit eine Batteriediagnose machen können. Die geht bei so langen Standzeiten nämlich gerne mal kaputt. Besonders, wenn das Auto im Verkaufsraum stand und die Batterie nicht regelmäßig nachgeladen wurde. Ich kann mich noch erinnern, dass der i8 aus unserem Verkaufsraum in 1 1/2 Jahren drei Batterien "verschlissen" hat X/

  • Bei Standschäden kannst du folgende Fälle unterscheiden:


    1. Alterung

    Das trifft vor allem auf Gummiteile zu, nach 6-8 Jahren sind die deutlich härter, werden spröde, ... - auch wenn sie nur rumstehen (oder im Regal liegen). Bei Reifen kennt man das, gilt genauso für Motorlager, Achsmanschetten, Schläuche aller Art, ... (und ja, "Standplatten" bei Reifen gibts, die laufen dann nie mehr wirklich sauber ohne Vibrationen, kommt aber erst nach längerer Zeit, wenn du die Holzreifen eh nicht mehr fahren willst)

    Ein Jahr Showroom heißt jetzt natürlich nicht, alles aus Gummi muss neu, aber ein Jahr Lebensdauer ist halt schon weg.

    Und Batterien wurden oben ja schon erwähnt.


    2. Transportschäden

    Suicide Jockey hat das ja schon geschrieben. Kritisch sind hier vor allem Zylinderrollen- und Nadellager, die haben dann schnell Standmarken (wo der Wälzkörper auf der Laufbahn in axialer Richtung schuggert). Wir hatten erst kürzlich einen Generator aus Asien, der war beim Einlauf gleich auffällig und ging wieder zurück. Vermeiden kann man das nur, wenn die Lager gut vorgespannt werden (Rotorwelle abspannen etc.).

    Nachdem unsere Kisten wohl (fast?) keine Rollen- oder Nadellager haben, würde ich mir darum aber keine großen Sorgen machen.

    Gleitlager (Kurbel-/Nockenwelle) sind da nicht sooo empfindlich (siehe aber nächster Punkt).


    3. Korrosion

    Alle ungeschützten Metallteile können natürlich rosten, wenn es feucht genug ist. Seeluft wirkt da noch verschärfend. Das gilt leider auch für die Innereien des Motors (oder Getriebe oder Diff).

    Bei einem Vierzylinder stehen die Chancen gut, dass mindestens bei einem Zylinder ein Ventil offen steht - und durch Temperaturschwankungen atmet der Brennraum und so kann Feuchtigkeit rein kommen.

    Ein nicht-konservierter Motor sollte z.B. alle 3-6 Monate durchgedreht werden, damit wieder alle Flächen mit Öl benetzt sind.

    Für längere Standzeiten sollte Konservierungsöl rein kommen.

    Ersatzmotoren, die in den Seetransport gehen, kommen auch noch in eine verschweißte Plastiktüte mit Schutzatmosphäre. So was hält dann ca 2 Jahre.

    Vor Gebrauch heißt es dann aber entkonservieren...

    Wenn jetzt ein Auto einfach so lange unbewegt rumsteht ist der Klassiker ein leichter Rostring am ersten Kolbenring in der Laufbuchse. Schleift sich meist wieder weg, kostet aber in der Regel etwas höheren Ölverbrauch, etwas Leistung und letztendlich auch Lebensdauer (wobei ein Motor auch aus vielen anderen - davon unabhängigen Gründen - vorher sterben kann...).

    Gleitlager haben das Problem, dass nach langer Standzeit fast alles Öl aus dem Schmierspalt gedrückt wurde und die ersten Umdrehungen rel. trocken laufen. Auch das kostet Lebensdauer.

    Bei größeren Motoren gibst dafür Vorschmierpumpen, so dass man den Motor schon mit Öl versorgt, bevor er dreht - PKWs haben so was aber leider nicht. Da hilft also nur eins: Augen zu und durch (oder Motor zerlegen und Gleitlager von Hand schmieren).

    Insofern würde ich den Verkäufer einfach fragen, ob der Wagen bewegt / angelassen wurde.

    Wenn er ehrlich ist, weist du ob :thumbup:oder :thumbdown:.

    Wenn er mauschelt und blöd ist ("wurde nie bewegt..." - hat aber km gemacht...) haste was zum Preis drücken - wenn er clever ist ("wurde alle 2 Monate gestartet" - stand aber nur rum...) biste halt der Depp.

    Einen Tod muss man immer streben, aber die Chancen stehen dann nur 1:4