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Fight

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Montag, 13. November 2017, 18:10

At All Costs - User Kurzgeschichte

Hi,

ich
schreibe in meiner Freizeit hin und wieder Geschichten bzw.
Kurzgeschichten. Im Sommer habe ich dann mal angefangen etwas mit
Autos zu schreiben, weil Autos halt cool sind, aber irgendwann ist
jede Geschichte halt auch zu ende und nachdem ich sie vor ein paar
Tagen fertig geschrieben hatte, kam mir der Gedanke sie auch hier zu
veröffentlichen. Ansonsten haben bisher nur Freunde und Bekannte sie
vorgesetzt bekommen.
Es wird sicher einige an Initial D oder The
Fast And The Furious erinnern. Ein paar Sachen sind sicher etwas bei
den Haaren herbei gezogen, einfach aufgrund dessen das es nur ein
Hobby ist und ich nicht immer ewig recherchieren wollte. Nehmt mir
das also bitte nicht übel :D
Jeh nachdem wie das hier ankommt
werde ich immer Montags einen Teil hier posten.
Ich hoffe
natürlich das es euch gefällt.
Konstruktive Kritik ist immer
willkommen!
Part 1:

At All Costs


Downhill


Naoji öffnete die Haustür und trat
nach draußen. Eine frische, nächtliche Sommerbrise empfing ihn. Er
atmete tief ein und blickte auf die andere Straßenseite. Dort stand
er, sein Nissan Silvia S15 Spec R. Man brauchte nicht lange, um fest
zu stellen das es kein gewöhnlicher S15 war, denn der große
Heckspoiler, der Diffusor und der schnittige Frontspiltter sprachen
eine ganz eigene Sprache. Es war unschwer zu erkennen das der Wagen
nicht mehr Serienmäßig war, doch das was man nicht sehen konnte,
dass was still und leise unter der Carbonmotorhaube schlummerte, war
das eigentlich faszinierende und zu gleich furchterregende.

„Heute ist es also soweit, mal sehen
ob du diesmal davon kommst.“ Dachte Naoji. Er lief über die Straße
und stieg in den Wagen. Als er den Zündschlüssel umdrehte erwachte
die Bestie mit einem tiefen schnaufen.



Kagami schloss die Tür ihres
Fahrschulautos.

„So, dann ist das also deine letzte
Stunde vor der Prüfung?“ Fragte Jiro.

„Genau.“Antwortete sie knapp und
startete den Motor.

„Okay, dann fahren wir auch schon
los.“ Meinte Jiro etwas überrumpelt. „Wir fahren heute ne kleine
Runde über die Berge.“

„Ja.“ Antwortete sie wieder kurz.
„Ist sonst alles okay bei dir?“
Fragte er nach, da sie offensichtlich nicht gut drauf war.

„Ach naja, es ist so öde hier auf
dem Land.“

Jiro lachte. „Achso, na wenn es nur
das ist. Was ist denn mit deinen freunden? Du hast doch sicher viele
aus der Schule?“

„Ja klar, aber die meisten sind doch
irgendwie öde, niemand sucht nach Abenteuern. Also, verstehen sie
mich nicht falsch, ich mag meine Freunde, aber manchmal wünsche ich
mir einfach aus diesem öden Alltag aus zu brechen.“ Erzählte sie.



Naoji kam bei dem großen Parkplatz in
den Hügeln an, die Gegend hier, außerhalb der Stadt führte zum
Berg Ishi. Fast jeder verkehr der in die Stadt wollte musste hier
lang, also gab es etliche Strecken und Pässe die Nachts wie
ausgestorben erschienen. Ryo stand schon auf dem Parkplatz neben
seinem schwarzen RX-7 FD. Naoji hielt neben ihm an und stieg aus, er
lief zu ihm rüber, doch er starrte vertieft ins Tal hinunter.
Überall waren lichter aus der Stadt zu sehen, wie ein kleiner
Sternenhimmel. So weit abgelegen war kaum ein Geräusch zu hören,
nur das sanfte Rauschen der Blätter im Wind.

„Du fährst zuerst runter und ich
folge dir.“ Ryo unterbrach die magische stille.

Naoji war überrascht, er war fest
davon ausgegangen das Ryo als erster starten will, so wie er es sonst
meistens tat. Es schien ihm zu gefallen die Lichter seines Verfolgers
im Nacken zu haben und sie letztendlich doch verschwinden zu sehen.

Ryo lief zu seinem Wagen und stieg ein.
Naoji tat es ihm gleich. „Wie auch immer du willst, diesmal werde
ich dich schlagen“ Dachte er und fuhr langsam vom Parkplatz. Mit
normaler Geschwindigkeit fuhren sie die Straße herab bis zur ersten
Kurve, ab hier würde das Rennen beginnen.



„Fahr hier den Pass hoch.“ Sagte
Jiro. Kagami setzte den Blinker und bog auf die Landstraße ab.

„Naja, wenn du bald deinen
Führerschein hast kannst du ja ab und zu in die Großstadt fahren,
vielleicht ist es da nicht so langweilig.“

Kagami runzelte die Stirn und zog eine
Augenbraue hoch. „Ich glaube das ist nicht die Art von Abenteuer
die ich suche.“

„Naja, wie willst du das wissen ohne
es mal ausprobiert zu haben?“

„Da haben sie wohl auch wieder recht,
vielleicht geh ich auch ins Ausland nach der Schule.“

„Und wie kommst du dann zum
Flughafen?“ Fragte Jiro lächelnd.

Kagami rollte die Augen. „Mit dem
Auto.“ Sie gab ihm die Antwort die er haben wollte.

„Genau, also streng dich gut an bei
der Prüfung.“

„Ist ja nicht so, als könnte ich
nicht auch mit dem Zug fahren. Die Prüfung ist sowieso überflüssig.“

Jiro lachte. „Du wirst bestimmt noch
viel lernen selbst nachdem die Prüfung vorbei ist“ Meinte er und
öffnete das Fenster, um die frische, kühlende Luft zu genießen.

„Ja, aber Fahren kann ich doch
sowieso schon. Ist ja auch nicht so schwer. Immer brav blinken und
sich an die Geschwindigkeit halten.“

Plötzlich war ein Hallendes Knallen zu
hören, nur ganz kurz, ein, zwei mal.

„Was war das denn?“ Fragte Kagami.


Naojis Herz raste, vermutlich genau so
schnell, wie sie diesen Hügel herunter preschten. Wie an Silvester
knallten ein paar Fehlzündungen ins Tal. Er schaffte es in den
Kurven immer etwas Abstand zu Ryo zu gewinnen, doch auf den Graden,
wenn der Turbolader des RX-7s sein volles Potential entfaltete, war
er nicht zu stoppen. Er war hoch konzentriert und doch fragte er sich
warum Ryo nicht zuerst gefahren war.



„Du hast also dein Fahrwerk neu
abgestimmt, deswegen kommt der Wagen so gut um die Kurven“

Dachte Ryo und analysierte den Fahrstil
seines Gegners. Obwohl sie mit einer Halsbrecherischen
Geschwindigkeit über den Asphalt jagten war er völlig ruhig und
konzentriert.



Naoji schoss durch die engen Kurven,
ständig war er am Schalten, um die Drehzahl möglichst hoch zu
halten, doch er hasste den Downhill. Er fürchtete sich davor, er
fürchtete sich den richtigen Zeitpunkt zum Bremsen zu verpassen und
alles kam ihm viel schneller und unkontrollierter vor als beim
Uphill. Er musste es doch nur schaffen nicht überholt zu werden und
könnte ihn dann beim Uphill schlagen. Er lenkte in die langgezogene
Kurve ein um sie zu schneiden und stieg aufs Gaspedal.

„Noch ein paar Kurven mehr! Diesmal
kriegst du mich nicht“ Dachte er und erhaschte einen Blick in den
Rückspiegel. Licht! So hell das es den Innenraum seines S15
erleuchtete, das konnte nicht sein, er richtete seinen Blick wieder
auf die Straße. In der langgezogenen Kurve kam ihm ein Auto
entgegen, er erschrak sich, riss weit die Augen auf und trat
reflexartig auf die Bremse. Das Heck des Wagens brach schlagartig
aus, blitzschnell lenkte er ein und Driftete immer näher an die
Leitplanke.

„Jetzt!“ Dachte Ryo, schaltete
runter und gab Vollgas. Es kam ihm vor wie in Zeitlupe als er genau
zwischen dem Quer driftendem S15 und dem anderen Wagen in der Kurve
hindurch jagte. Höchstens ein Blatt Papier hätte noch zwischen die
Seitenspiegel gepasst. Naoji sah Ryo vorbei schnellen. „Wie?
Unmöglich in der Kurve genug Grip zu haben!“ Dachte er und zeigte
die Zähne als er spürte wie die Rücklichter seines Wagens die
Leitplanke berührten und er etwas an ihr entlang schliff. Er stand
auf der Bremse und hatte voll eingelenkt, als die Hinterräder dann
plötzlich Grip bekamen riss es ihn wieder in die andere Richtung,
doch er war darauf gefasst und fing den Wagen wieder ein.

„Fuck!“ Platze es wütend aus ihm
heraus und er fuhr mit mäßigem Tempo den Rest der Strecke hinunter.
Das Rennen war für ihn gelaufen.

Ryo peitschte noch immer durch die
Nacht und gab dem RX-7 die Sporen.

„So spät in der Nacht ist es noch
nicht, mit Gegenverkehr hättest du rechnen müssen.“ Dachte er
sich. Da war es wieder, ein Gefühl, etwas das ihm klar machte noch
am leben zu sein. Er wusste nicht ob es Angst war, aber für einen
Sekundenbruchteil war er im Stande etwas zu Fühlen und zu wissen das
er lebendig ist.



Jiro hatte den Wagen angehalten und den
Warnblinker betätigt. „Ist alles in Ordnung?“ Fragte er
aufgeregt. „Diese verdammten Idioten, das hier ist doch keine
Rennstrecke!“ Brüllte er.

„Man, das war knapp.“ Sagte Kagami.
„Ich glaub mir geht’s gut.“

„Die haben nicht mal angehalten!“
Beschwerte sich Jiro, der völlig außer sich vor Wut war.

„Komm lass uns zurück fahren, die
Stunde ist für Heute vorbei.“ Meinte er und regte sich ab.

Die ganze Fahrt über verarbeitete
Kagami das Erlebte. Drei Autos waren da, auf einer zweispurigen
Strecke, alles ging so schnell. „Wie hat es der eine geschafft beim
Ausweichen keinen Unfall zu bauen? Und wie Hat der schwarze Wagen
abschätzen können das er genau durch die Lücke passt?“ Diese
Fragen und wie jemand sein Auto so beherrschen konnte beschäftigten
sie noch, als sie Zuhause schon im Bett lag. Für einen kurzen Moment
hatte sie gedacht womöglich zu sterben, doch diese ganze Aufregung,
diese wahnsinnige Geschwindigkeit, ließen sie nicht mehr los.


Der
schwarze Wagen



Ein schriller, unnachgiebiger Ton
weckte Kagami. Sie hatte die halbe Nacht damit verbracht die
Situation des beinahe Unfalls zu verarbeiten und daher wenig Schlaf
bekommen. Ächzend öffnete sie die Augen und schlug nach dem Wecker.
Er verstummte für ein Paar Minuten, doch aufstehen musste sie
Ohnehin.

Nachdem sie sich aus dem Bett gequält
und fertig gemacht hatte ging sie zum Bus, welcher sie, wie die
anderen Schüler, zur Schule beförderte. Die Musik in ihren
Kopfhörern übertönte das geplaudere und das lästern der anderen.
Der Bus war so voll, dass sie keinen Sitzplatz bekam und sich an
einer Stange festhalten musste. Es war ein ziemliches Gedränge und
sie wurde plötzlich von hinten angerempelt, als der Bus kurz
abbremste. Grade als sie sich umdrehte, ihren Kopfhörer heraus nahm
und sich beschweren wollte bemerkte sie, wie die zwei Jungs hinter
ihr eine Zeitschrift durchblätterten. Die Überschrift über dem
großen Bild titelte imposant und in großen Buchstaben „Nissan!“.
Das war der Wagen von gestern Nacht, es bestand kaum ein zweifel.
Natürlich, es war dunkel und ging alles sehr schnell, doch der S
förmige Blitz auf der Motorhaube war unverkennbar.

„Wie heißt der Wagen?“ Fragte sie
aufgeregt und deutete auf das Bild.

Die Jungs sahen sie erstaunt an, auch
sie war von ihrer Art überrascht, normalerweise war sie nicht so
direkt.

„Ähm, das ist ein Nissan Silvia.“
Sagte der eine. „Ein S15, um genau zu sein.“ Ergänzte der andere
und lächelte besserwisserisch.

„Ok, wisst ihr wer so einen fährt?“
Fragte Kagami neugierig.

Die Beiden lachten.

„Also ich kann mir keinen Leisten.“
Der Bus erreichte die Schule und die
Türen öffneten sich.

„Okay, danke ihr habt mir trotzdem
geholfen.“ Sagte sie und verschwand in der Menschenmenge die aus
dem Bus strömte.

„Oh Gott, ich hab mich verliebt! Hab
ich Nasenbluten?“ Fragte der eine seinen Kumpel und lachte.



„Dem hast du's ordentlich gegeben.“
Sagte Deisuke, als er sich das Kaputte Rücklicht an Naojis Wagen
anguckte. Dieser lehnte schlecht gelaunt an der Wand und kaute auf
einem Zahnstocher herum. Er trug seine graue, verwaschene Jeans und
ein weißes T-Shirt. Die Sachen hatte er meistens an, wenn irgendwas
am Auto zu machen war. Seine dunkle, karierte Jacke hatte er sich
über die Schulter geworfen. Er verschränkte die Arme und fragte auf
dem Punkt gebracht.

„Wie viel?“
Deisuke grinste. „Lass stecken, bist
ja öfter hier.“

Naoji trat von der Wand weg und nickte
ihm zustimmend und etwas demütig zu.

„Hast ihn wenigstens geschlagen?“
Er schnaufte, holte tief Luft und
antwortete. „Nein, da kam plötzlich so n scheiß Fahrschulauto um
die Kurve.“

Deisuke schüttelte den Kopf.
„Lappen... Aber, um die kurven geht’s jetzt besser?“

„Ja, das ist super. Nur dieser
verdammte, aufgeladene Wankelmotor. Das Ding geht so ab.“ Fluchte
Naoji.

„Wenn du dem S15 noch mehr PS
verpasst bringst du dich damit hundert prozentig um, vielleicht ist
es nicht nur der Wankel und der Turbo der dich fertig macht.“ Gab
Deisuke zu denken.



Als Kagami auf dem Heimweg war
beschloss sie diesmal nicht den Bus zu nehmen, auch wenn es ziemlich
warm war und der Fußweg etwa eine halbe Stunde länger dauerte.
Nachdem sie einer tratschenden Freundin erzählt hatte, was ihr bei
der Fahrstunde passiert war, stand sie den Rest des Tages im
Mittelpunkt und wurde von allen bemitleidet, als wäre ein
Familienmitglied gestorben. Ihr war das viel zu viel und so stieg sie
nicht in den Bus ein, um ein wenig Zeit für sich zu haben. Sie
schlenderte ein bisschen durch die Straßen und beschloss, sich bei
der Hitze nicht zu sehr zu beeilen. Die Stadtkaffees und Bars waren
gut besucht, überall waren lächelnde Leute unterwegs. Familien,
Mütter mit Kindern. Der Gedanke daran eines Tages Kinder zu bekommen
und als Hausfrau zu enden lies sie erschaudern. Sie wollte irgendwas
aus ihrem Leben machen und kein alltägliches, normales, langweiliges
Leben bestreiten. Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen
als ihr blick an einer flachen, schwarzen Silhouette vorbei streifte.
Sofort wendete sie ihren Blick wieder auf das Objekt und da stand er.
Eindeutig und ohne Zweifel. Der schwarze Wagen von letzter Nacht.



Ryo lies den leeren Becher seinen
Milchshakes in den Mülleimer fallen. Grade als er sich umdrehte und
in seinen Wagen steigen wollte bemerkte er eine junge Frau, die wie
gebannt davor stand. Er legte den Kopf zur Seite und musterte sie.
Schuluniform, lange dunkle Haare, groß, schlank. „Sieht ganz
passabel aus.“ Dachte er und wartete darauf das sie ihn bemerkte.
Peinlich berührt erschrak Kagami, als sie feststellte wie sie von
dem vermeintlichen Besitzer des Wagens angestarrt wurde.

„Oh, Entschuldigung. Ähm, ist das
ihr Wagen?“ Fragte sie schüchtern.

„Ja.“ Antwortete Ryo knapp.
„Ich hab dich gestern Nacht gesehen.“
Er nickte „Mhm.“
„Du bist fast in uns rein gefahren,
das war Sau knapp.“

„Ah, Fahrschule.“ Ging es ihm auf.
„Ja, du hättest uns fast alle
umgebracht.“

„Naja...“ Er zögerte.
„Ist dir das denn egal?“ Fragte sie
etwas geschockt.

Er legte fragend den Kopf auf die
Seite. „Was?“

„Na, das wir alle hätten sterben
können. Hast du gar keine Angst?“ Irgendwie ging das Gespräch
nicht in die Richtung die sie sich vorgestellt hatte.

„Ich hab keine Ahnung wovon du
redest.“ Sein Ton war kalt und abweisend. Er trat an das Auto heran
und öffnete die Tür.

„Warte, was ist mit dem Anderen? In
dem S...“ Ihr war schon wieder die Zahl entfallen.

„Fünfzehn.“ Sagte Ryo während er
einstieg. „Wenn du ihn suchst, fahr nachts in die Berge.“ Grade
wollte er die Tür schließen, doch er stoppte noch kurz. „Aber
komm nicht mit dem Fahrschulwagen.“

„Nachts in die Berge?“ Fragte sie
verwirrt, doch er hatte die Tür schon geschlossen und den
Ohrenbetäubenden Motor angelassen.

„Soll das n Witz sein?“ Rief sie,
als er einfach los fuhr und sie stehen lies.



Angst? War es das was er gespürt
hatte? Dieses Gefühl, das sein Herz höher schlagen lies, wenn auch
nur für einen Augenblick. „Verurteilt sie mich? Dafür das ich
schnell fahre? Dafür das ich mich lebendig fühle?“ Fragte er
sich. Von Anfang an hatte er mit Gegenverkehr gerechnet, deswegen
entschied er sich auch Naoji zu verfolgen und nicht voraus zu fahren.
„Ich wäre wohl doch besser zuerst gefahren, in der Kurve hätte
ich Naoji mit dem neuen Heckspoiler sowieso abgehängt.“


Eine
weitere Nacht



„Ich bin mir sicher, dass du die
Prüfung schaffen wirst.“
Sagte Kagamis Mutter am Telefon.

„Wenn du deinen Führerschein hast
ruf uns an, wir haben extra etwas Geld zurück gelegt damit du dir
ein Auto kaufen kannst.“

Kagami lief etwas rot an.
„Oh, das ist so lieb von euch.“
„Ach, wozu hat man denn Eltern? Aber
halt dich Nachts besser von den Strecken in den Bergen fern, wenn da
solche Idioten herum fahren.“

„Ja.“ Sagte sie augenrollend. „Sag
daddy einen schönen Gruß, ich melde mich. Hab dich lieb.“
Verabschiedete sie sich.

„Hm, Geld für ein Auto.“ Grübelte
sie und griff zu ihrem Laptop der auf dem Nachttisch lag. Sie saß
auf ihrem Bett und klappte Den Laptop auf, um sich im Internet über
günstige, gebrauchte Wägen schlau zu machen. Nachdem sie eine weile
nach allem möglichen mit vier Sitzen und einem Lenkrad geguckt hatte
schweifte sie etwas ab.

„Oh Gott, sehen die alle langweilig
aus.“ Sagte sie vor sich hin, dann wählte sie Nissan in der Leiste
aus.

Silvia.

„Hm, die sehen schon besser aus.“
Dachte sie und sah sich verschiedene Inserate an, welche außerhalb
ihrer Preisspanne lagen. Es faszinierte sie wie viel Liebe und Mühe
sich die Leute gemacht hatten. Bilder wie aus einer Zeitschrift und
in den Beschreibungen prangerten lange Listen von verbauten
Ersatzteilen. Meistens fingen die Beschreibungen mit einem Satz an
wie: „Ich trenne mich schweren Herzens...“

Die Leute mussten ihre Autos wirklich
lieben. Noch nie hatte sie darüber nachgedacht, dass es mehr als nur
ein Transportmittel sein könnte, ja sogar eine Art Leidenschaft.
Plötzlich erschrak sie als sie Quietschende Reifen vor ihrem Fenster
hörte. Sie sprang auf und sah heraus, doch es war nur ein
Rollerfahrer der die abendliche Ruhe durcheinander brachte. Das
letzte Wochenende war sie extra mit ihrem Rad den verdammten Hügel
hoch gefahren, nur um dort die halbe Nacht allein rum zu sitzen. Der
Typ in dem schwarzen Auto hatte sie bestimmt nur verarscht.
Vermutlich sind solche Leute lieber unter sich.



Naoji kniete in Deisukes Werkstatt
neben seinem Wagen und begutachtete seine Reifen.

„Sehen noch Top aus.“ Meinte er.
„Sind ja auch so gut wie neu.“
Erwiederte Deisuke. „Fährst du heute wieder hoch?“ Fragte er.

„Ach, ich weiß nicht. Ich bin etwas
frustriert seit dem letzten mal.“

„Ich hab heute Abend noch was vor,
aber wie wärs wenn du mich nächstes mal mit nimmst? Vielleicht
fällt mir während der Fahrt irgendwas auf, das ich noch verbessern
könnte.“

„Klar, gerne, aber nur wenn du mir
nicht die Sitze voll kotzt.“ Scherzte Naoji.

„Haha.“ Lachte Deisuke sarkastisch.
„Würde in der Kiste doch gar nicht auffallen.“

„Was, so dreckig ist er doch gar
nicht?“ Meinte Naoji und lächelte verlegen.

In der Tat war der Wagen alles andere
als dreckig, allerdings sahen die meisten Autos von Enthusiasten zu
jeder Zeit und bei jedem Wetter aus wie geleckt. Davon war der S15
weit entfernt.

„Okay, ich hau dann auch ab.“
Deisuke schnappte sich seine Jacke. „Wenn du gehst, mach das Licht
aus und zieh einfach das Garagentor zu.“ Grade wollte er zum Tor
hinaus gehen als er sich noch einmal umdrehte. „Oder... Willst du
vielleicht mit kommen? Wir gehen was trinken, also ich und ein paar
alte Kumpels die für n paar Tage in der Nähe sind.“

Naoji grübelte kurz, spontane Aktionen
waren absolut nicht sein Ding.

„Ähm, ich erledige das hier noch und
dann komm ich vielleicht nach. Ich schreib dir einfach.“ Sagte er,
um sich alle Möglichkeiten offen zu halten.

Deisuke streckte den Daumen nach oben,
nickte und verabschiedete sich. „Okay, bis dann.“

Als Naoji nun allein mit seinem Wagen
in der Werkstatt stand, wurde ihm bewusst, dass er eigentlich
überhaupt nichts mehr zu tun hatte. Das Licht war Repariert, die
schrammen ausgebessert, selbst die Reifen waren noch absolut in
Ordnung. Vorsichtig legte er seine Hand auf die Carbonmotorhaube, als
wollte er, wie bei einem Tier, das tiefe Atmen spüren. Die sanfte
Bewegung wenn sich die Lunge mit Luft füllte und dann wieder
ausatmete.



„Du bist so kalt.“ Las Ryo in dem
Messenger des Social Networks, auf seinem Handy. Kurz darauf folgte
die nächste Nachricht.

„Ich hasse dich!“
Ryo klickte kurzer Hand auf
„Blockieren“ und steckte das Handy wieder weg. Er stand von dem
reich gedeckten Tisch auf.

„Mutter, das Abendessen war wieder
hervorragend. Danke, dass du dir so viel Mühe gemacht hast.“ Sagte
er und nickte dabei, um seiner Aussage mehr Ausdruck zu verleihen.
Obwohl er es ernst meinte, wirkten die Worte dennoch wie eine gut
einstudierte Phrase. Seine Mutter lächelte. „Schön das es euch
geschmeckt hat.“ Sagte sie und begann den Tisch ab zu räumen.

„Ich werde mich jetzt zurück ziehen,
wenn es euch recht ist.“ Sagte Ryo und sah dabei seinen Vater an.
Er saß noch, genau wie sein Arbeitskollege, der zum Essen eingeladen
war, am Tisch. Grade zog er eine Zigarre aus seinem Etui und zündete
sie sich an.

„Sicher, geh nur. Beim essen warst du
ja schon lieber mit deinem Handy beschäftigt.“ Sagte er abweisend
und bot seinem Gast ebenfalls eine Zigarre an. Ryo nickte mehr oder
weniger zustimmend und verließ das Esszimmer. Egal wie sehr sein
Vater ihn mit solchen Sticheleien versuchte zu ärgern, er blieb
immer cool. Es ärgerte ihn, für den Moment in dem es passierte,
doch danach prallte es von ihm ab, als wäre nichts gewesen. Manchmal
fragte er sich wie seine richtigen Eltern wohl waren. Er hatte keine
Erinnerungen an sie, so früh hatten sie ihn schon zur Adoption
freigegeben. Ryo beschloss nicht auf sein Zimmer zu gehen, sondern
lieber einen kleinen Ausritt mit seinem FD zu machen. Auf dem Weg in
die Garage ging er durch die große Eingangshalle und trat durch die
riesige Pendeltür nach draußen. „So viel Geld für dieses riesige
Haus und es gibt nicht mal eine Verbindung zwischen Haus und Garage.“
Dachte er sich kritisierend.

In der, ebenfalls riesigen, Garage
stand sein schwarzer RX-7. Rund herum waren allerhand Luxuskarossen
von seinem Vater. Viele waren Oldtimer die er versuchte zu
restaurieren, dementsprechend lagen überall Teile und Werkzeug
herum, alles jedoch gut und fein säuberlich sortiert. Allerdings
befanden sich auch ein paar modernere Modelle in seinem Besitz.
Direkt neben Ryos FD parkte ein Mercedes AMG GT R , doch Ryo
interessierte sich weniger für diese Supersportwägen. Er fand es
interessanter etwas besser zu machen, etwas aus dem Mittelmaß empor
zu heben und daraus etwas zu kreieren, das sich niemand hätte
erträumen lassen. Er ging an dem Wagen vorbei und wieder rümpfte er
die Nase als ihm das GT R Logo auffiel. Er schüttelte den Kopf und
stieg in den FD. Wie konnte jemand nur die Frechheit besitzen seinen
Wagen GT R zu nennen. Es gab nur einen wahren GT-R und dessen Ruhm
und Bekanntheit würde diese Schüssel nie erreichen. Er startete den
Motor und fuhr vom Grundstück.



Naoji setzte sich wieder in den S15
nachdem er getankt hatte. Sein Handy vibrierte. Es war eine Nachricht
von Deisuke. Auf dem Bild sah man ihn mit vielen anderen Leuten, sie
lächelten und schienen sich gut zu amüsieren. „Komm vorbei, die
Mädels hier sind fast alle noch zu haben.“ Lautete die nächste
Nachricht. Naoji lächelte, das Angebot war verlockend, doch er hatte
sich vorgenommen noch mal die Strecke zu fahren bei der er letztes
Wochenende geschlagen wurde und wenn er sich erst mal etwas
vorgenommen hatte, machte er es auch. Er fuhr los und versuchte sich
die Strecke noch besser ein zu prägen, als er sie sowie schon
kannte. Während er den Hügel herauf fuhr hielt er sich an die
Geschwindigkeit, den Uphill beherrschte er ohne hin gut genug. Als er
an der Stelle vorbei kam wo er überholt wurde fragte er sich wie das
Wohl ausgesehen haben muss. Wie sich die Leute in dem Fahrschulauto
gefühlt haben müssen, doch vermutlich konnten sie dem ganzen nichts
abgewinnen und haben sich nur aufgeregt, dachte er. Während er
seinen Wagen auf den Parkplatz steuerte sah er plötzlich eine Frau,
neben ihrem Fahrrad, auf der Leitplanke sitzen. „Wer zum Teufel
fährt mitten in der Nacht mit dem Rad hier hoch?“ Dachte er sich
überrascht.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Fight« (28. November 2017, 18:06)


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Montag, 13. November 2017, 19:45

Ui, ein Kurzgeschichten-Thread. Dann kram ich auch mal eine aus. Sie ist Teil eines Tagebuchs, Teil einer Reise um die Welt und Teil eines Werdegangs. Die Station dieser Geschichte ist Dubai, eine sehr auto-geprägte Stadt...



Dubai…

… im Vorbeifahren erledigt


Das derzeit höchste Gebäude, der Burj Khalifa, steht in Dubai. Ich stand an diesem schönen Tag im November ebenfalls in dieser schönen Stadt. Um genau zu sein: ich stand auf der mittleren Aussichtsplattform, also im 125. Stockwerk, des besagten Gebäudes. Blickte auf die Stadt. Ein wenig hatte ich das Gefühl, auf eine Spielzeugstadt herabzublicken. Ich erinnerte mich an die Zeit, als ich Kind war und mit Duplo, Lego, Playmobil und ähnlichen Baustein-Systemen spielte. In diesen Gedanken vertieft nahm ich einen Schluck von meinem Gin Tonic.

Meine Gedanken ließ ich kreisen. Direkt nach dem Vorfall im Repetitorium war ich untergetaucht, also über Shanghai, Tokio, Hong Kong und Singapur, wo ich meinen nächsten Auftrag erhielt, nach Dubai geflogen. Die Angelegenheit in meiner Heimat wurde von den dortigen Behörden unter den Teppich gekehrt und die Anwesenden zum Stillschweigen verdonnert. Im Falle der Zuwiderhandlung drohte den beiden Zeugen, also Tobias und dem Repetitor, die Todesstrafe wegen schwerer Gefährdung der Sicherheit eines meiner Auftraggeberländer. Ich hatte mir bereits das Passende herausgesucht.

Ein junger Mann, vielleicht Ende vierzig, stellte sich neben mich.

„Sie sind aus Singapur?“ wollte er wissen. Augenscheinlich.

„Sie sind ganz schön neugierig“, stellte ich fest.

„Gut. Dann sind ja die Eckdaten abgestimmt.“

Er gab mir eine Mappe. Ungefähr zwei Zentimeter dick. Ich knickte sie vorsichtig. Nur Papier, keine Bombe, kein mit irgendeiner Flüssigkeit gefülltes Behältnis.

„Hier drin sind alle Informationen, die Sie brauchen werden. Wir haben auch die Hälfte Ihrer Entlohnung bereits angewiesen. Über die Ihnen bekannte Nummer bin ich für Sie erreichbar. Falls Sie also Fragen haben, falls es tatsächlich Unklarheiten geben sollte… können Sie mich erreichen.“

Eigentlich hätte er auch sagen können: „Eigentlich sollte es keine Unklarheiten geben. Falls doch… lesen Sie nochmals oder fangen Sie an zu denken.“

Ich nickte nur. Denn insgeheim musste ich ihm zustimmen. Eigentlich wusste ich schon, was ich tun sollte. Das einzige, was mir noch fehlte, war das Bild von meiner Zielperson. Aber zugegeben: der Umfang der Mappe machte mir ein wenig Angst. Das Ding war ungefähr drei Zentimeter dick. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder fand ich in der Mappe das, was ich ohnehin schon wusste und hatte und dazu ein paar ergänzende Informationen - oder der komplette Auftrag wurde geändert.

Ohne dem Inhalt eines Blickes zu würdigen, steckte ich die komplette Mappe in meinen Rucksack.

„Dann sind wir durch, oder?“

Er nickte nur. Trank seinen Wodka Martini aus und ging anschließend direkt von dannen.

Ich widmete mich meinem Gin Tonic. Auf eine deutlich intensivere Art und Weise wohl gemerkt. Man ist ja Genussmensch.

Eine halbe Stunde und einen japanischen Single Malt später fand ich mich ein paar Etagen weiter unten auf meinem Bett in meinem Hotelzimmer. Die Mappe lag neben mir. Nur kurz überlegte ich, mich in eines der Einkaufszentren zu begeben und einen Textmarker zu kaufen, um dann, beim Studium der Mappe, die wichtigen Stellen markieren zu können. Aber die Neugier siegte. Ich warf entgegen jeder Intention und Vernunft einen Blick in die Mappe.

Nachdem ich selbige durchgeblättert hatte, kam ich mir ein wenig verarscht vor. Ungefähr 80 Prozent der Mappe bestand aus Bildern und Datenblättern von Fahrzeugen. Die Hälfte der Autos gehörte meiner Zielperson. Dieser junge Mann, den ich beseitigen sollte, schien das Sammeln von Autos toll zu finden, aber ein Problem mit Fahrzeugen zu haben, die entweder neu und nackt weniger kosten als (umgerechnet - beziehungsweise beim deutschen Vertragshändler) 100.000 Euro oder weniger als acht Zylinder haben. Sonst gab es keine Einschränkungen. Ich fand Porsches, BMWs, Ferraris, Bentleys, Lamborghinis, Astons und Bugattis auch Exoten wie Koenigseggs, Paganis, DeTomasos, Vipern und viele mehr. Sowohl Sportwagen als auch Limousinen und Geländewagen waren dabei. Ein durchschnittliches, privat geführtes deutsches Automuseum würde vor Neid erblassen.

Die zweite Hälfte der Autos - die kleinere Hälfte wohl gemerkt - war weitaus bunter. Ich fand neben einem Ferrari, drei Porsches, einem Rolls Royce und zwei Lamborghinis auch ein paar Hyundais, ein paar Toyotas, ein paar Volkswagen und sogar einen Smart. Aus dieser Hälfte durfte ich mir einen Wagen aussuchen.

Was ich bei der weiteren Literatur auch feststellte: mein Auftraggeber wollte gar keinen Distanzschuss mehr. Oder sagen wir so: ein Distanzschuss war nach derzeitiger Sachlage nicht wirklich durchführbar. Ich sollte die Zielperson, ein führendes Mitglied einer terroristischen Vereinigung, der sich einbildete, in Dubai untertauchen zu können, im Rahmen eines Drive-By-Shootings erledigen. Toll.

Klar hatte ich auch meine P99 mit Zubehör und Munition dabei, aber zumindest die Accuracy hätte ich mir sparen können. Dem Ding wohnt der Nachteil einer gewissen Unhandlichkeit bei. Außerdem war ich von Natur aus ein distanzierter Typ. Ich fühlte mich einfach sicherer, wenn ich irgendwo in ungefähr einem halben Kilometer Entfernung lag und wartete, bis mir mein Ziel ins Visier hüpfte.

Ich unterdrückte einen Fluch.

Aber gut. Dann sollte es halt so sein.

Glücklicherweise war einer der Hyundais, der mir angeboten wurde, im Taxi-Outfit gestaltet. Den wollte ich unbedingt haben. Schließlich ging es bei der Durchführung des Auftrags darum, möglichst unauffällig zu sein. Zusätzlich orderte ich - für die Ermittlungsarbeit - einen Lamborghini. Auch weil ich bis zum damaligen Zeitpunkt noch nie einen solchen Wagen gefahren bin und schon sehr gespannt war, wie sich die Kiste im Vergleich zu meinen Sportflitzern verhielt. Ich „stand“ ja eigentlich auch mehr auf die gediegene, zurückhaltende und elegante Art, mich sportlich fortzubewegen. Gut, zugegeben: elegant war der italienische Kampfstier auch.

Meine Zielperson wohnte in einer schicken Villa im Stadtteil Jumeirah. Dort postierte ich mich allmorgendlich mit dem Lamborghini und studierte die Verhaltensweisen.

Ich erkannte schnell: Mir blieb nur das mit dem Drive-By. Meine Zielperson hatte augenscheinlich jenseits des Jobs kein Privatleben. Der Kerl wohnte in einem von hohen Mauern umgebenen Haus, fuhr morgens zur Arbeit, kam abends irgendwann zurück und vergrub sich im Haus. Zwei Wochen lang beobachtete ich Tag für Tag das gleiche Spiel. Ich hatte auch das Gefühl, mein Ziel nahm die Mahlzeiten ebenfalls am Arbeitsplatz ein. Denn ich konnte auch nicht feststellen, dass der Typ einkaufen ging. Die einzige Abwechslung, die sich feststellen ließ, war der Wagen. Hier war er aber wirklich abwechslungsreich, nutzte äußerst selten mal zwei Tage hintereinander das gleiche Auto. Natürlich blieb auch der eine oder andere Wagen in den zwei Wochen, die ich für meine Detektivarbeit genutzt hatte, unbenutzt. Schon weil der Kerl weit mehr als vierzehn Fahrzeuge hatte, die zwei Wochen allerdings nur vierzehn Tage…

An Tag Nr. 15 meines Aufenthalts in der Stadt teilte ich meinem Auftraggeber mit, dass ich nicht sagen könne, an welchem Tag ich den Auftrag würde erledigen können. In meinem Hotelzimmer teilte ich sodann den Teil der Mappe, der die Fahrzeugsammlung meines Ziels betraf, in drei Stapel. Einer hieß „nein“ und betraf die Fahrzeuge, die für ein Drive-By nicht geeignet waren. Der Zweite war mein „vielleicht“ - Stapel, also der „Kann man probieren“. Der Dritte, der „Ja“-Stapel, stand für „Feuer frei“.

Sämtliche Exoten wie Pagani, Bugatti, Koenigsegg landeten auf dem „Nein“-Stapel. Ebenso die Fahrzeuge mit mehr als 600 PS und die Cabrios, Roadster und Targas. Insgeheim freute ich mich über jedes exotische Cabrio mit mehr als 600 PS.

Auf dem „Vielleicht“-Stapel landeten Fahrzeuge, die zwar auffällig waren, aber nicht allzu exotisch - und die in Dubai zum normalen Straßenbild gehören. Also beispielsweise die Ferraris, die Astons, die Bentleys, die auffälligen Porsches - sofern ich sie nicht aus anderen Gründen mit einem „nein“ bezeichnet hatte.

Der kleinste Stapel war der Stapel mit den Fahrzeugen, die ich mit „Feuer frei“ tituliert hatte. Hier dachte ich an normale und unauffällige Porsches, an die Mercedes-AMG-Limousinen und -Coupes und den BMW M5. Der Stapel war bedenklich klein; keine zehn Fahrzeuge. Zudem musste ich auch beim näheren Betrachten feststellen, dass ich die wenigsten der Fahrzeuge, die ich in dem Stapel fand, bereits in natura gesehen hab. Mit anderen Worten: meine Zielperson fuhr bevorzugt Wagen aus dem „Vielleicht“- und insbesondere aus dem „Nein“-Stapel.

In Gedanken tat ich das, was jeder vernünftig und rational denkende Mensch in meiner Situation tun würde: ich entwarf einen Brief, in dem ich die durch die Änderung des Auftrags entstandene Brisanz, Gefährlichkeit und den damit erhöhten Schwierigkeitsgrad des Auftrags darstellte, natürlich abgeleitet von der Auftragsänderung zum Drive-By. Weiterhin kündigte, ich an, dass sich die Rechnungssumme für den Auftrag um 33 % erhöhen würde. Die erhöhte Schwierigkeit begründete ich durch die Umstände, die sich durch den Drive-By ergaben.

Auf Papier fixiert und in einen Briefkasten geworfen hatte ich die Ankündigung dann keine halbe Stunde später. Ich konnte mich also zeitnah und in aller Ruhe dem nächsten Punkt der langen Ermittlungsliste widmen: der Auswahl des richtigen Ortes für die Tötung.

Ich widmete mich nun der Prüfung des alltäglichen Arbeitsweges. Mit anderen Worten: ich lief die Straße entlang, insgesamt zehn Kilometer, die sich in der dubaianischen Hitze deutlich länger anfühlten als im Zentrum Europas. Auf meiner Karte markierte ich jede Ampel mit einem „X“ und jede begünstigende Besonderheit mit einem „+“. Eine hindernde Besonderheit erhielt ein „-“. Begünstigende Besonderheiten waren beispielsweise lange Rotphasen, ein unübersichtliches Gelände und „abseits der Hauptverkehrsstraßen“. Hindernd war starker Verkehr und freies Feld.

Schnell war klar: es kam nur eine Ampel in Frage. Dort hat man schließlich eine ganze Rotphase Zeit. Sofern rot war. Vom fahrenden Fahrzeug in ein weiteres fahrendes Fahrzeug wollte ich nicht schießen. Vor allem nicht beim Fahren.

Kurz grübelte ich über der Möglichkeit, dem Typ eine Bombe ans Auto zu pappen oder in den Wagen zu werfen. Die Möglichkeit verwarf ich jedoch schnell wieder, denn

ich hatte dummerweise keine Bomben dabei. Erst recht keine zum Fernzünden. Außerdem brachte ich damit andere Menschen in Gefahr. Weiterhin würde der Akt - schon bedingt durch den Knall und die Zerstörung des Fahrzeugs - recht auffällig werden, und auch würde es auffallen, wenn ich dem Kollegen während der Fahrt eine Bombe ins Auto warf oder an selbiges pappte. Vorher und nachher ging nicht; schon weil der Wagen sowohl vor der Fahrt als auch nach der Fahrt auf einem Privatgrundstück stand, das für mich nicht „einfach so“ zugänglich war.

Die Antwort meines Auftraggebers bezüglich der Erhöhung der Gegenleistung ließ auf sich warten. Meine Ermittlungen waren beendet, und so nutzte die Zeit, um das zu tun, was ein Tourist machte: ich bewunderte die Sehenswürdigkeiten der Stadt (also die Einkaufszentren und die Wolkenkratzer), ich legte mich an den Strand und beobachtete die Wolkenkratzer und ich schwamm im Meer rum und beobachtete dabei die Wolkenkratzer. Bis…

… nach einer Woche nach der Ankündigung der Erhöhung mein Handy den Eingang einer Textnachricht meldete. Sie sagte einfach „Ok“. Also ging ich in medias res.

Pünktlich am nächsten Morgen fand ich mich in meinem Hyundai-Taxi gegenüber der Haustür meiner Zielperson ein. Neben mir lag meine geladene und bereits entsicherte P99, und darauf eine Zeitung.
Als sich ein Tor öffnete, wusste ich: morgen war auch noch ein Tag. Ein Lamborghini Aventador Roadster verließ das Anwesen. Zu auffällig, zu offen, zu stark. Ich entschied mich für einen weiteren Touri-Tag, bewunderte also die Einkaufszentren von innen und die Wolkenkratzer vom Strand und vom Meer aus.

Der nächste Tag sah bereits deutlich besser aus. Die Zielperson verließ in einem Ferrari 430 Modena das Anwesen. Solche Dinger stehen hier in Dubai an jeder Ecke. Ich merkte mir das Nummernschild und folgte dem roten Flitzer.

An der ersten Ampel erwischte ich eine Grünphase.

Die zweite bis fünfte Ampel hatte ich gestrichen. Sie hatten zu viele Minuspunkte.

Die siebte Ampel war - nach einer grünen Nummer sechs - dann meine: gerade als wir uns ihr näherten, schaltete sie von grün auf rot. Ich wechselte die Spur und setzte mich neben den Ferrari. Ein kurzer Blick nach drüben ließ mich frohlocken: seine Fenster waren auf. Meine ebenfalls. Auch er blickte kurz zu mir. Und dann wieder geradeaus. Ich griff nach der Waffe, hob sie hoch - und platzierte den Schuss direkt in den Kopf. Machte ich eigentlich gar nicht gern. Im dümmsten Fall platzt selbiger und man erkennt dann nicht mehr, wen man eigentlich erschossen hat. Und es gab in den meisten Fällen eine riesige Sauerei.

Ich hatte Glück: der Kopf blieb heil - von dem kleinen Loch mal abgesehen. Mein Ziel sackte nach vorn auf das Lenkrad. Ich schoss ein weiteres Mal; diesmal in die Halsregion meiner Zielperson.

Es wurde grün. Gemütlich fuhr ich los. Nur nicht zu auffällig. Auch wenn hinter mir ein Hupkonzert ertönte.

Aber sehen wir es positiv: solange gehupt wird, ist noch niemand aufgefallen, dass der Empfänger des Gehupes davon mangels Vitalität nichts mehr davon mitbekommt. Ich war äußerst beruhigt. Offensichtlich dachte man hier tatsächlich nicht daran, mal nachzusehen, ob bei dem Fahrer alles in Ordnung war.

Ich stellte den Wagen in ein Parkhaus eines Einkaufszentrums, entfernte sämtliche Spuren (auch wenn ich den Wagen ausschließlich mit Gummihandschuhen berührt hatte) und lief zu einer rund drei Kilometer entfernten U-Bahn-Station. Die U-Bahn brachte mich in die Nähe meines Hotels. Auch diesmal lief ich den Rest.

In meinem Hotelzimmer angekommen packte ich meinen Krempel zusammen und warf ihn in den Kofferraum des Lamborghini. Mit selbigem machte ich mich auf den Weg ins nicht weit entfernte Abu Dhabi, genauer gesagt auf Yas Island. Dort parkte ich den Wagen in einem weiteren Parkhaus einer weiteren Shopping Mall. Zu Fuß machte ich mich auf zu meinem dortigen Hotel, in dem ich bereits seit drei Tagen offiziell wohnte. Dort widmete ich mich den üblichen touristischen Aktivitäten, die man auf dieser Insel so machen konnte. Also… Einkaufszentrum, am Strand rumliegen, im Meer planschen - und auch in die Freizeitparks habe ich mich gewagt. Denn der Spaß kommt bei meiner Arbeit im Großen und Ganzen viel zu kurz…
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Dienstag, 14. November 2017, 11:02

Beides sehr coole Geschichten, bin in der Beziehung leider nicht so begabt.
Freu mich sehr auf Fortsetzungen :thumbsup:

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Dienstag, 14. November 2017, 15:43

@ Fight:
Trotz der Gefahr, jetzt als Hater zu gelten:
Gleich am Anfang schreibst du zweimal "das" an Stellen, wo ", dass" richtig gewesen wäre... das ist für mich ein absolutes No-Go, tut mir wirklich leid; da bin ich allergisch.

Hier nun das Konstruktive an meiner Kritik (Quelle: Duden.de/Rechtschreibung/dass):

»das« oder »dass«?
Mit nur einem s schreibt man das bezügliche Fürwort (Relativpronomen) »das«:
»Das« bezieht sich auf ein Substantiv im vorangegangenen (Haupt)satz und lässt sich meist durch »welches« ersetzen.•Er betrachtete das Bild, das an der Wand hing.
Ebenfalls mit nur einem s schreibt man das Demonstrativpronomen »das«:
Hier lässt sich »das« meist durch »dieses« ersetzen.•Das habe ich nicht gewollt.
Schließlich wird auch der sächliche Artikel mit nur einem s geschrieben:
Auch hier lässt sich »das« meist durch »dieses« ersetzen. •Sie hoffte, das Krankenhaus bald verlassen zu können.
In allen anderen Fällen handelt es sich um die mit zwei s zu schreibende Konjunktion (das Bindewort) »dass«:
Die Konjunktion »dass« verbindet Nebensätze meist mit Hauptsätzen, in denen Verben wie »behaupten, bestätigen, denken, glauben, hoffen, meinen, sagen, versprechen, wissen« usw. vorkommen. Sie kann nicht durch »dieses« oder »welches« ersetzt werden. •Ich weiß, dass es schon ziemlich spät ist.
•Dass es schon ziemlich spät ist, weiß ich.
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Dienstag, 14. November 2017, 16:03

Das liegt beim konkreten Beispiel auch an der fehlenden Komma-Setzung ;) Ich denke, sowas kann man ruhig anmerken, ist ja nicht böse gemeint und wenn man sich in Textform ausdrücken möchte, ist einem sicherlich auch korrekter Rechtschreibung gelegen. Letztlich übersieht ja jeder mal das eine oder andere :)
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Dienstag, 14. November 2017, 18:08

@ Fight:
Trotz der Gefahr, jetzt als Hater zu gelten:
Gleich am Anfang schreibst du zweimal "das" an Stellen, wo ", dass" richtig gewesen wäre... das ist für mich ein absolutes No-Go, tut mir wirklich leid; da bin ich allergisch.

Hier nun das Konstruktive an meiner Kritik (Quelle: Duden.de/Rechtschreibung/dass):

»das« oder »dass«?
Mit nur einem s schreibt man das bezügliche Fürwort (Relativpronomen) »das«:
»Das« bezieht sich auf ein Substantiv im vorangegangenen (Haupt)satz und lässt sich meist durch »welches« ersetzen.•Er betrachtete das Bild, das an der Wand hing.
Ebenfalls mit nur einem s schreibt man das Demonstrativpronomen »das«:
Hier lässt sich »das« meist durch »dieses« ersetzen.•Das habe ich nicht gewollt.
Schließlich wird auch der sächliche Artikel mit nur einem s geschrieben:
Auch hier lässt sich »das« meist durch »dieses« ersetzen. •Sie hoffte, das Krankenhaus bald verlassen zu können.
In allen anderen Fällen handelt es sich um die mit zwei s zu schreibende Konjunktion (das Bindewort) »dass«:
Die Konjunktion »dass« verbindet Nebensätze meist mit Hauptsätzen, in denen Verben wie »behaupten, bestätigen, denken, glauben, hoffen, meinen, sagen, versprechen, wissen« usw. vorkommen. Sie kann nicht durch »dieses« oder »welches« ersetzt werden. •Ich weiß, dass es schon ziemlich spät ist.
•Dass es schon ziemlich spät ist, weiß ich.
Danke, werd nächstes mal besser drauf achten ^^

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Montag, 20. November 2017, 19:22

Hier Part 2:


Der
schwarze Wagen



Ein schriller, unnachgiebiger Ton
weckte Kagami. Sie hatte die halbe Nacht damit verbracht die
Situation des beinahe Unfalls zu verarbeiten und daher wenig Schlaf
bekommen. Ächzend öffnete sie die Augen und schlug nach dem Wecker.
Er verstummte für ein Paar Minuten, doch aufstehen musste sie
Ohnehin.

Nachdem sie sich aus dem Bett gequält
und fertig gemacht hatte ging sie zum Bus, welcher sie, wie die
anderen Schüler, zur Schule beförderte. Die Musik in ihren
Kopfhörern übertönte das geplaudere und das lästern der anderen.
Der Bus war so voll, dass sie keinen Sitzplatz bekam und sich an
einer Stange festhalten musste. Es war ein ziemliches Gedränge und
sie wurde plötzlich von hinten angerempelt, als der Bus kurz
abbremste. Grade als sie sich umdrehte, ihren Kopfhörer heraus nahm
und sich beschweren wollte bemerkte sie, wie die zwei Jungs hinter
ihr eine Zeitschrift durchblätterten. Die Überschrift über dem
großen Bild titelte imposant und in großen Buchstaben „Nissan!“.
Das war der Wagen von gestern Nacht, es bestand kaum ein zweifel.
Natürlich, es war dunkel und ging alles sehr schnell, doch der S
förmige Blitz auf der Motorhaube war unverkennbar.


„Wie heißt der Wagen?“ Fragte sie
aufgeregt und deutete auf das Bild.


Die Jungs sahen sie erstaunt an, auch
sie war von ihrer Art überrascht, normalerweise war sie nicht so
direkt.


„Ähm, das ist ein Nissan Silvia.“
Sagte der eine. „Ein S15, um genau zu sein.“ Ergänzte der andere
und lächelte besserwisserisch.

„Ok, wisst ihr wer so einen fährt?“
Fragte Kagami neugierig.

Die Beiden lachten.


„Also ich kann mir keinen Leisten.“

Der Bus erreichte die Schule und die
Türen öffneten sich.

„Okay, danke ihr habt mir trotzdem
geholfen.“ Sagte sie und verschwand in der Menschenmenge die aus
dem Bus strömte.


„Oh Gott, ich hab mich verliebt! Hab
ich Nasenbluten?“ Fragte der eine seinen Kumpel und lachte.


„Dem hast du's ordentlich gegeben.“
Sagte Deisuke, als er sich das Kaputte Rücklicht an Naojis Wagen
anguckte. Dieser lehnte schlecht gelaunt an der Wand und kaute auf
einem Zahnstocher herum. Er trug seine graue, verwaschene Jeans und
ein weißes T-Shirt. Die Sachen hatte er meistens an, wenn irgendwas
am Auto zu machen war. Seine dunkle, karierte Jacke hatte er sich
über die Schulter geworfen. Er verschränkte die Arme und fragte auf
dem Punkt gebracht.

„Wie viel?“

Deisuke grinste. „Lass stecken, bist
ja öfter hier.“

Naoji trat von der Wand weg und nickte
ihm zustimmend und etwas demütig zu.

„Hast ihn wenigstens geschlagen?“

Er schnaufte, holte tief Luft und
antwortete. „Nein, da kam plötzlich so n scheiß Fahrschulauto um
die Kurve.“

Deisuke schüttelte den Kopf.
„Lappen... Aber, um die kurven geht’s jetzt besser?“

„Ja, das ist super. Nur dieser
verdammte, aufgeladene Wankelmotor. Das Ding geht so ab.“ Fluchte
Naoji.

„Wenn du dem S15 noch mehr PS
verpasst bringst du dich damit hundert prozentig um, vielleicht ist
es nicht nur der Wankel und der Turbo der dich fertig macht.“ Gab
Deisuke zu denken.



Als Kagami auf dem Heimweg war
beschloss sie diesmal nicht den Bus zu nehmen, auch wenn es ziemlich
warm war und der Fußweg etwa eine halbe Stunde länger dauerte.
Nachdem sie einer tratschenden Freundin erzählt hatte, was ihr bei
der Fahrstunde passiert war, stand sie den Rest des Tages im
Mittelpunkt und wurde von allen bemitleidet, als wäre ein
Familienmitglied gestorben. Ihr war das viel zu viel und so stieg sie
nicht in den Bus ein, um ein wenig Zeit für sich zu haben. Sie
schlenderte ein bisschen durch die Straßen und beschloss, sich bei
der Hitze nicht zu sehr zu beeilen. Die Stadtkaffees und Bars waren
gut besucht, überall waren lächelnde Leute unterwegs. Familien,
Mütter mit Kindern. Der Gedanke daran eines Tages Kinder zu bekommen
und als Hausfrau zu enden lies sie erschaudern. Sie wollte irgendwas
aus ihrem Leben machen und kein alltägliches, normales, langweiliges
Leben bestreiten. Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen
als ihr blick an einer flachen, schwarzen Silhouette vorbei streifte.
Sofort wendete sie ihren Blick wieder auf das Objekt und da stand er.
Eindeutig und ohne Zweifel. Der schwarze Wagen von letzter Nacht.


Ryo lies den leeren Becher seinen
Milchshakes in den Mülleimer fallen. Grade als er sich umdrehte und
in seinen Wagen steigen wollte bemerkte er eine junge Frau, die wie
gebannt davor stand. Er legte den Kopf zur Seite und musterte sie.
Schuluniform, lange dunkle Haare, groß, schlank. „Sieht ganz
passabel aus.“ Dachte er und wartete darauf das sie ihn bemerkte.
Peinlich berührt erschrak Kagami, als sie feststellte wie sie von
dem vermeintlichen Besitzer des Wagens angestarrt wurde.

„Oh, Entschuldigung. Ähm, ist das
ihr Wagen?“ Fragte sie schüchtern.

„Ja.“ Antwortete Ryo knapp.

„Ich hab dich gestern Nacht gesehen.“

Er nickte „Mhm.“

„Du bist fast in uns rein gefahren,
das war Sau knapp.“

„Ah, Fahrschule.“ Ging es ihm auf.

„Ja, du hättest uns fast alle
umgebracht.“

„Naja...“ Er zögerte.

„Ist dir das denn egal?“ Fragte sie
etwas geschockt.

Er legte fragend den Kopf auf die
Seite. „Was?“

„Na, das wir alle hätten sterben
können. Hast du gar keine Angst?“ Irgendwie ging das Gespräch
nicht in die Richtung die sie sich vorgestellt hatte.

„Ich hab keine Ahnung wovon du
redest.“ Sein Ton war kalt und abweisend. Er trat an das Auto heran
und öffnete die Tür.

„Warte, was ist mit dem Anderen? In
dem S...“ Ihr war schon wieder die Zahl entfallen.

„Fünfzehn.“ Sagte Ryo während er
einstieg. „Wenn du ihn suchst, fahr nachts in die Berge.“ Grade
wollte er die Tür schließen, doch er stoppte noch kurz. „Aber
komm nicht mit dem Fahrschulwagen.“

„Nachts in die Berge?“ Fragte sie
verwirrt, doch er hatte die Tür schon geschlossen und den
Ohrenbetäubenden Motor angelassen.

„Soll das n Witz sein?“ Rief sie,
als er einfach los fuhr und sie stehen lies.



Angst? War es das was er gespürt
hatte? Dieses Gefühl, das sein Herz höher schlagen lies, wenn auch
nur für einen Augenblick. „Verurteilt sie mich? Dafür das ich
schnell fahre? Dafür das ich mich lebendig fühle?“ Fragte er
sich. Von Anfang an hatte er mit Gegenverkehr gerechnet, deswegen
entschied er sich auch Naoji zu verfolgen und nicht voraus zu fahren.
„Ich wäre wohl doch besser zuerst gefahren, in der Kurve hätte
ich Naoji mit dem neuen Heckspoiler sowieso abgehängt.“

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Dienstag, 21. November 2017, 16:11

Macht wirklich spaß zu lesen, schick das ganze doch mal nach Japan, vllt hat irgend ein Verlag bock des ganze als Manga zu veröffentlichen :thumbsup:

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Fight (22.11.2017)

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Mittwoch, 22. November 2017, 16:56

Macht wirklich spaß zu lesen, schick das ganze doch mal nach Japan, vllt hat irgend ein Verlag bock des ganze als Manga zu veröffentlichen :thumbsup:
:D Danke, ich hab auch schon daran gedacht das es vielleicht als Comic ganz gut kommen würde. Ich kann zwar relativ gut zeichnen, aber für n Comic reicht das glaub ich nicht.

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Mittwoch, 22. November 2017, 22:04

Vielleicht findet sich hier im Forum jemand.
Mit freundlichem Gruß

Skorpion / Carsten

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Dienstag, 28. November 2017, 18:03

Jetzt hab ich gestern tatsächlich vergessen zu posten xD Sry...

Hier Part 3:


Eine
weitere Nacht



„Ich bin mir sicher, dass du die
Prüfung schaffen wirst.“ Sagte Kagamis Mutter am Telefon.

„Wenn du deinen Führerschein hast
ruf uns an, wir haben extra etwas Geld zurück gelegt damit du dir
ein Auto kaufen kannst.“

Kagami lief etwas rot an.

„Oh, das ist so lieb von euch.“

„Ach, wozu hat man denn Eltern? Aber
halt dich Nachts besser von den Strecken in den Bergen fern, wenn da
solche Idioten herum fahren.“

„Ja.“ Sagte sie augenrollend. „Sag
daddy einen schönen Gruß, ich melde mich. Hab dich lieb.“
Verabschiedete sie sich.

„Hm, Geld für ein Auto.“ Grübelte
sie und griff zu ihrem Laptop der auf dem Nachttisch lag. Sie saß
auf ihrem Bett und klappte Den Laptop auf, um sich im Internet über
günstige, gebrauchte Wägen schlau zu machen. Nachdem sie eine weile
nach allem möglichen mit vier Sitzen und einem Lenkrad geguckt hatte
schweifte sie etwas ab.

„Oh Gott, sehen die alle langweilig
aus.“ Sagte sie vor sich hin, dann wählte sie Nissan in der Leiste
aus.


Silvia.


„Hm, die sehen schon besser aus.“
Dachte sie und sah sich verschiedene Inserate an, welche außerhalb
ihrer Preisspanne lagen. Es faszinierte sie wie viel Liebe und Mühe
sich die Leute gemacht hatten. Bilder wie aus einer Zeitschrift und
in den Beschreibungen prangerten lange Listen von verbauten
Ersatzteilen. Meistens fingen die Beschreibungen mit einem Satz an
wie: „Ich trenne mich schweren Herzens...“

Die Leute mussten ihre Autos wirklich
lieben. Noch nie hatte sie darüber nachgedacht, dass es mehr als nur
ein Transportmittel sein könnte, ja sogar eine Art Leidenschaft.
Plötzlich erschrak sie als sie Quietschende Reifen vor ihrem Fenster
hörte. Sie sprang auf und sah heraus, doch es war nur ein
Rollerfahrer der die abendliche Ruhe durcheinander brachte. Das
letzte Wochenende war sie extra mit ihrem Rad den verdammten Hügel
hoch gefahren, nur um dort die halbe Nacht allein rum zu sitzen. Der
Typ in dem schwarzen Auto hatte sie bestimmt nur verarscht.
Vermutlich sind solche Leute lieber unter sich.



Naoji kniete in Deisukes Werkstatt
neben seinem Wagen und begutachtete seine Reifen.

„Sehen noch Top aus.“ Meinte er.

„Sind ja auch so gut wie neu.“
Erwiederte Deisuke. „Fährst du heute wieder hoch?“ Fragte er.

„Ach, ich weiß nicht. Ich bin etwas
frustriert seit dem letzten mal.“

„Ich hab heute Abend noch was vor,
aber wie wärs wenn du mich nächstes mal mit nimmst? Vielleicht
fällt mir während der Fahrt irgendwas auf, das ich noch verbessern
könnte.“

„Klar, gerne, aber nur wenn du mir
nicht die Sitze voll kotzt.“ Scherzte Naoji.

„Haha.“ Lachte Deisuke sarkastisch.
„Würde in der Kiste doch gar nicht auffallen.“

„Was, so dreckig ist er doch gar
nicht?“ Meinte Naoji und lächelte verlegen.

In der Tat war der Wagen alles andere
als dreckig, allerdings sahen die meisten Autos von Enthusiasten zu
jeder Zeit und bei jedem Wetter aus wie geleckt. Davon war der S15
weit entfernt.


„Okay, ich hau dann auch ab.“
Deisuke schnappte sich seine Jacke. „Wenn du gehst, mach das Licht
aus und zieh einfach das Garagentor zu.“ Grade wollte er zum Tor
hinaus gehen als er sich noch einmal umdrehte. „Oder... Willst du
vielleicht mit kommen? Wir gehen was trinken, also ich und ein paar
alte Kumpels die für n paar Tage in der Nähe sind.“

Naoji grübelte kurz, spontane Aktionen
waren absolut nicht sein Ding.

„Ähm, ich erledige das hier noch und
dann komm ich vielleicht nach. Ich schreib dir einfach.“ Sagte er,
um sich alle Möglichkeiten offen zu halten.

Deisuke streckte den Daumen nach oben,
nickte und verabschiedete sich. „Okay, bis dann.“

Als Naoji nun allein mit seinem Wagen
in der Werkstatt stand, wurde ihm bewusst, dass er eigentlich
überhaupt nichts mehr zu tun hatte. Das Licht war Repariert, die
schrammen ausgebessert, selbst die Reifen waren noch absolut in
Ordnung. Vorsichtig legte er seine Hand auf die Carbonmotorhaube, als
wollte er, wie bei einem Tier, das tiefe Atmen spüren. Die sanfte
Bewegung wenn sich die Lunge mit Luft füllte und dann wieder
ausatmete.



„Du bist so kalt.“ Las Ryo in dem
Messenger des Social Networks, auf seinem Handy. Kurz darauf folgte
die nächste Nachricht.

„Ich hasse dich!“

Ryo klickte kurzer Hand auf
„Blockieren“ und steckte das Handy wieder weg. Er stand von dem
reich gedeckten Tisch auf.

„Mutter, das Abendessen war wieder
hervorragend. Danke, dass du dir so viel Mühe gemacht hast.“ Sagte
er und nickte dabei, um seiner Aussage mehr Ausdruck zu verleihen.
Obwohl er es ernst meinte, wirkten die Worte dennoch wie eine gut
einstudierte Phrase. Seine Mutter lächelte. „Schön das es euch
geschmeckt hat.“ Sagte sie und begann den Tisch ab zu räumen.


„Ich werde mich jetzt zurück ziehen,
wenn es euch recht ist.“ Sagte Ryo und sah dabei seinen Vater an.
Er saß noch, genau wie sein Arbeitskollege, der zum Essen eingeladen
war, am Tisch. Grade zog er eine Zigarre aus seinem Etui und zündete
sie sich an.

„Sicher, geh nur. Beim essen warst du
ja schon lieber mit deinem Handy beschäftigt.“ Sagte er abweisend
und bot seinem Gast ebenfalls eine Zigarre an. Ryo nickte mehr oder
weniger zustimmend und verließ das Esszimmer. Egal wie sehr sein
Vater ihn mit solchen Sticheleien versuchte zu ärgern, er blieb
immer cool. Es ärgerte ihn, für den Moment in dem es passierte,
doch danach prallte es von ihm ab, als wäre nichts gewesen. Manchmal
fragte er sich wie seine richtigen Eltern wohl waren. Er hatte keine
Erinnerungen an sie, so früh hatten sie ihn schon zur Adoption
freigegeben. Ryo beschloss nicht auf sein Zimmer zu gehen, sondern
lieber einen kleinen Ausritt mit seinem FD zu machen. Auf dem Weg in
die Garage ging er durch die große Eingangshalle und trat durch die
riesige Pendeltür nach draußen. „So viel Geld für dieses riesige
Haus und es gibt nicht mal eine Verbindung zwischen Haus und Garage.“
Dachte er sich kritisierend.

In der, ebenfalls riesigen, Garage
stand sein schwarzer RX-7. Rund herum waren allerhand Luxuskarossen
von seinem Vater. Viele waren Oldtimer die er versuchte zu
restaurieren, dementsprechend lagen überall Teile und Werkzeug
herum, alles jedoch gut und fein säuberlich sortiert. Allerdings
befanden sich auch ein paar modernere Modelle in seinem Besitz.
Direkt neben Ryos FD parkte ein Mercedes AMG GT R , doch Ryo
interessierte sich weniger für diese Supersportwägen. Er fand es
interessanter etwas besser zu machen, etwas aus dem Mittelmaß empor
zu heben und daraus etwas zu kreieren, das sich niemand hätte
erträumen lassen. Er ging an dem Wagen vorbei und wieder rümpfte er
die Nase als ihm das GT R Logo auffiel. Er schüttelte den Kopf und
stieg in den FD. Wie konnte jemand nur die Frechheit besitzen seinen
Wagen GT R zu nennen. Es gab nur einen wahren GT-R und dessen Ruhm
und Bekanntheit würde diese Schüssel nie erreichen. Er startete den
Motor und fuhr vom Grundstück.



Naoji setzte sich wieder in den S15
nachdem er getankt hatte. Sein Handy vibrierte. Es war eine Nachricht
von Deisuke. Auf dem Bild sah man ihn mit vielen anderen Leuten, sie
lächelten und schienen sich gut zu amüsieren. „Komm vorbei, die
Mädels hier sind fast alle noch zu haben.“ Lautete die nächste
Nachricht. Naoji lächelte, das Angebot war verlockend, doch er hatte
sich vorgenommen noch mal die Strecke zu fahren bei der er letztes
Wochenende geschlagen wurde und wenn er sich erst mal etwas
vorgenommen hatte, machte er es auch. Er fuhr los und versuchte sich
die Strecke noch besser ein zu prägen, als er sie sowie schon
kannte. Während er den Hügel herauf fuhr hielt er sich an die
Geschwindigkeit, den Uphill beherrschte er ohne hin gut genug. Als er
an der Stelle vorbei kam wo er überholt wurde fragte er sich wie das
Wohl ausgesehen haben muss. Wie sich die Leute in dem Fahrschulauto
gefühlt haben müssen, doch vermutlich konnten sie dem ganzen nichts
abgewinnen und haben sich nur aufgeregt, dachte er. Während er
seinen Wagen auf den Parkplatz steuerte sah er plötzlich eine Frau,
neben ihrem Fahrrad, auf der Leitplanke sitzen. „Wer zum Teufel
fährt mitten in der Nacht mit dem Rad hier hoch?“ Dachte er sich
überrascht.

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Skripi91 (29.11.2017)

JDM_12

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Mittwoch, 29. November 2017, 10:26

Ihr solltet Bücher schreiben :thumbsup:

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Fight (04.12.2017)

Fight

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Montag, 4. Dezember 2017, 20:57

Next One ^^


Neue
Leidenschaft




Ryo stieg auf das Gas und der
Wankelmotor begann laut zu schreien. Ein Subaru WRX STI hatte ihm
Lichthupe gegeben und ihn provokant überholt. Das konnte er sich
nicht bieten lassen. Ryo hatte sich extra etwas zurück fallen lassen
nur, um dann mit top speed an ihm vorbei zu zischen. Die Autobahn war
mäßig gefüllt und er kam dem Subaru auf der rechten Spur schnell
näher. Er sah links einen LKW fahren den, der Subaru wohl überholen
wollte, er machte keinen Platz. Ryo bremste nicht, mit erschreckender
Geschwindigkeit kam der WRX näher und nur ein paar Meter bevor er
ihm auffahren würde, tippte Ryo kurz die Bremse an, zog nach links
und rauschte blitzschnell an dem Subaru vorbei. Etwa genau so schnell
lenkte er wieder nach rechts, um dem LKW nicht aufzufahren. Ein
halsbrecherisches Manöver, dachte sich auch der LKW Fahrer und
betätigte die Hupe. Der Subaru konnte in keinster weise mithalten
und verschwand in Ryos Rückspiegel. Dieser nahm die nächste
Ausfahrt und machte sich auf den Weg in die Stadt. Auch wenn er kein
Fan davon war schnell, stur geradeaus zu fahren, würde er solch eine
Herausforderung nie ablehnen und wenn die Geschwindigkeit hoch genug
war, konnte selbst gerade aus fahren etwas knifflig werden. Er fuhr
nicht in die Stadt hinein, sondern hielt an einem kleinen Kaffee
etwas außerhalb. Er blieb noch für etwa fünf Minuten bei laufendem
Motor im Wagen sitzen, damit er etwas herab kühlte. Ein paar,
offensichtlich betrunkene, Typen liefen von der anderen Seite der
Straße auf den Parkplatz. Grade als Ryo den Motor aus machte und
ausstieg zeigte einer auf ihn, oder den Wagen, und Brüllte etwas
unverständliches. Ryo ignorierte es und lief zum Eingang des
Kaffees, doch dann hörte er eine schrille Frauenstimme.

„Hey, lasst das gefälligst und
verpisst euch!“

Ryo sah zu ihnen rüber. Zwei Kerle und
eine Frau. Einer riss an ihrer Jacke herum und plötzlich packte der
andere sie am Hals. Das sah nicht nach der Art von Spaß aus die
Betrunkene üblicherweise hatten. Ryo lief zu ihnen.

„Hey!“ Rief er. „Lasst den
Scheiss!“

Die beiden Typen hielten kurz inne und
starrten ihn überrascht an. „Fick dich! Und verpiss dich besser!“
Brüllte der eine und deutete mit dem Finger auf ihn. Die Frau
ergriff die Chance der Unachtsamkeit und donnerte dem brüllenden Typ
mit der geballten Faust aufs Ohr. Der andere verlor während dessen
den halt an ihrer Jacke, doch er reagierte schnell und packte sie von
hinten. Ryo ging auf den anderen zu der sich, am Boden kniend das
Blutige Ohr hielt und verpasste ihm einen weit geschwungenen tritt
ins Gesicht, dann ging er auf den letzten zu, der versuchte die Frau
fest zu halten. Sie wehrte sich wie verrückt und zappelte wie ein
Fisch auf dem trockenen.

„Lass sie los.“ Sagte er in einem
direkten, befehlenden Ton.

Die Frau trat währenddessen nach
hinten aus, genau zwischen die Beine des Angreifers. Dieser sackte
zusammen und lies sie los. Sie hastete zu Ryo und stellte sich neben
ihn, als sie sich umdrehte sah sie den Typen auf dem Boden liegend,
wie er sich vor schmerzen krümmte. Sie lächelte gehässig. „Na,
jetzt seid ihr nicht mehr so stark was?“ Sagte laut, ging zu dem
Kerl mit dem blutigen Ohr und trat ihm in die Rippen, als er grade
wieder aufstehen wollte. Noch immer lächelnd kam sie wieder zu Ryo.
„Ach, danke übrigens. Aber ich wär' schon mit denen fertig
geworden.“ Meinte sie selbstsicher. „Hey, komm. Ich lad' dich auf
n Kaffee ein.“

Ryo musterte sie kurz und neigte den
Kopf leicht. Zerrissene Jeans die ihre schlanke und große Figur
betonte, rotes Tanktop, eine dünne Lederjacke, Nietenarmband, eine
gepiercte Nase und kurze Haare. „Ich wollte mir sowieso grade einen
holen.“ Sagte er und willigte ein. Sie liefen zum Eingang des
Kaffees. „Wie heißt du?“ Fragte sie.

„Ich bin Ryo.“
„Nara.“ Sagte sie lächelnd und gab
ihm zur Begrüßung die Hand, als sie ihm tief in die Augen sah.

Sie betraten das Kaffee und nahmen an
einem Fenster platz. Ryo suchte immer einen Platz von dem aus er
seinen Wagen gut sehen konnte. „Ist n super Wagen. Dein FD?“
Fragte sie. Ryo war etwas überrascht und zog eine Augenbraue hoch,
er hatte noch eine Frau getroffen die überhaupt wusste das es einen
RX-7 FD von Mazda gab. „Ja, meiner.“ Antwortete Ryo. Als die
Bedienung kam bestellten sie zwei Kaffee. In der hellen Beleuchtung
musterte Ryo sein Gegenüber weiter. Die Kleidung sah insgesamt etwas
zerrissen aus und er begann sich zu fragen, ob sie überhaupt andere
Kleidung besaß. Wer war sie nur und woher wusste sie was zum Teufel
ein FD war?



Naoji trat auf die Kupplung und zog die
Handbremse. Der S15 wurde ruckartig langsamer und dann brach das Heck
aus. Er lies die Handbremse wieder los und die Kupplung kommen,
währenddessen stieg er wieder aufs Gaspedal. Die Hinterräder
drehten durch und er leitete einen langen Drift, um die spitze Kurve
ein. Kagami hielt sich mit beiden Händen am Haltegriff über dem
Fenster fest und riss die Augen weit auf. Ihr Herz schlug wie noch
nie und sie atmete schwer. Diese Mischung aus Angst und Adrenalin,
noch nie zuvor hatte sie so etwas erlebt. Als sie die Kurve verließen
und die Räder wieder Grip bekamen wurde sie von der Beschleunigung
in den Sitz gedrückt. Die durch den Turbolader freigesetzte Leistung
traf sie wie ein Hammer. Blitzschnell rasten sie den Hügel hinab.
Wie konnte jemand imstande sein, das alles unter Kontrolle zu halten?
Naoji war ständig am Lenken und Schalten und manchmal sah es so aus,
als würde er mit den Füßen alle drei Pedale auf einmal treten. Es
war wie als würde er mit dem Wagen tanzen, als wären sie ein gut
eingespieltes Team. Als sie an der Kreuzung, am Fuß des Hügels,
ankamen stoppte Naoji den Wagen.

„So, und jetzt?“ Fragte er.
Kagami sah ihn ungläubig an.
„Das war un...“ Sie hielt sich die
Hand vor den Mund und riss die Tür auf. Naoji runzelte die Stirn und
Biss die Zähne zusammen als er das Plötzliche ächzten hörte und
wie etwas von flüssiger Konsistenz auf den Boden plätscherte.

Kagami lehnte sich wieder in den Sitz
zurück und stöhnte. „Sorry.“

„Schon, okay. So lange du nicht in
den Wagen kotzt.“ Meinte er.

„Kannst du mich nach hause Fahren?“
Fragte sie etwas verlegen.

„Und was ist mit deinem Fahrrad?“
„Scheiss! Auf mein Fahrrad. Ich
brauch n Auto.“ Sagte sie selbstsicher.

Naoji lachte. „Du brauchst vor allem
erst mal n Führerschein.“

Er legte den Gang ein und steuerte den
Wagen wieder in Richtung Stadt.

„Wie viel hast du für den hier
bezahlt?“ Fragte sie.

„Naja, genau genommen hab ich ihn
geerbt. Er war vorher meiner Mom.“

„Oh... Das heißt sie ist...“
Vorsichtig versuchte Kagami den Satz zu ende zu bringen.

„Ja, genau das.“ Meinte Naoji. „Ist
schon lange her, also schon okay.“

Nach einigen Minuten unangenehmer
Stille im Wagen unterbrach sie die Ruhe erneut. Sie hatte so viele
quälende Fragen.

„Hast du ne gute Idee was sich als
erstes Auto eignet?“

Naoji schmunzelte. „Das kommt drauf
an, was du damit machen willst und wie viel Geld du ausgeben kannst.
Du willst das wirklich durch ziehen?“ Fragte er.

Sie grübelte. Es durchziehen, was
überhaupt? Sich ein sportliches Auto kaufen und damit Unsinn machen?
Nein, so einfach war das nicht. Sich ein sportliches Auto kaufen und
damit ausbrechen, aus dem Öden Alltag und Abenteuer erleben. Ja!
Dafür lohnte es sich.

„Absolut!“ Sagte sie bestärkt.
„Und du bringst es mir bei.“

„Ich?“ Fragte Naoji überrascht.
„Ja, du schuldest mir was.“ Meinte
sie.

„Ich?“ Fragte er wieder ungläubig.
„Ja, weil du uns mit dem
Fahrschulauto fast umgebracht hättest.“

„Als ob ich was dafür kann das Ryo
genau da überholt.“ Argumentierte er.

„Hättest du da auch überholt? Trotz
Gegenverkehr?“

Naoji sah zu ihr und fing an zu
lächeln. „Ja.“ Bestätigte er ihr mit einem breiten grinsen.

Sie lachten zusammen. „Okay, du
kannst mich hier raus lassen.“

Sie verabschiedeten sich und der Nissan
verschwand in der Dunkelheit. Was für eine Nacht. Noch nie hatte sie
sich so gut, so lebendig Gefühlt. Gepusht von dem ganzen Adrenalin
hüpfte sie auf und ab zur Wohnungstür und lies ein lautes „Ja!“
In den Nachthimmel hallen.

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Fight

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Gestern, 17:31

So, eigentlich wollte ich auch alles in den ersten Post, schreiben, damit man gleich alles auf einmal hat, allerdings hätte es das Zeichenlimit überschritten. Deswegen kommt jetzt alles nach und nach. Ist dann halt ein wenig Gesuche.
Also hier der nächste Teil:


Unzufriedene
Kunden



Nara kramte ein paar Scheine aus ihrer
Hosentasche, sie hatte nicht einmal eine Geldbörse.

„Ähm, oh...“ Stammelte sie
peinlich berührt, als sie feststellte das ihr Geld gar nicht
ausreichte. Ryo legte seine Brieftasche auf den Tisch und bezahlte,
inklusive eines großzügigen Trinkgeldes.

„Schon, okay.“ Meinte er.
Nara legte ihre Hand auf seine und
bedankte sich. Ryo bemerkte die Geste, doch wusste er nichts damit an
zu fangen. Ihre Hand fühlte sich warm, doch etwas rau an.

„Tut mir leid, aber kannst du mich
noch wo hin bringen?“ Fragte sie verlegen, wissend das sie ihr
Gefälligkeitskonto bereits überzogen hatte.

„Ich lebe um zu fahren.“ Sagte er
kurz und stand auf. Sie gingen zum Wagen und Nara dirigierte ihn, bis
sie am Ziel waren. Ryo war noch nie zuvor in dieser Gegend gewesen.
Alles sah etwas heruntergekommen aus und durch die grelle
Leuchtreklame, der vielen Bars, wirkte alles sehr künstlich. Als
Nara ausstieg bedankte sie sich, drückte ihm einen Zettel in die
Hand und verpasste ihm einen Kuss auf die Wange. Ryo wollte noch
etwas sagen, doch da verschwand sie schon. Er sah auf den Zettel,
darauf stand ihre Handynummer. Ryo fuhr zurück nachhause und legte
sich in sein Bett. Er dachte darüber nach was alles geschehen war.
„Was für ein verrückter Tag.“ Gähnte er vor sich hin und
schloss die Augen.



Kagami war schon früh wach und
schaufelte aufgeregt Schokomüsli in sich hinein, während sie sich
über Sportwägen schlau machte. Sie hatte etliche Tabs auf ihrem
Laptop, im Browser, geöffnet und las einen Artikel nach dem andern
und sah ein Video nach dem anderen. Sie konnte den Tag nicht
abwarten, an dem sie endlich ihren Führerschein bekommen würde. Ein
Wagen hatte es ihr schon besonders angetan, doch sie versuchte noch
gute Angebote von anderen Marken, als Toyota, zu finden. Nächsten
Freitag war es endlich soweit und sie würde ihren Führerschein
bekommen, endlich losgelöst und vollends frei, wie ein Blatt im
Wind. Sie breitete die Arme aus und schloss die Augen. Beinahe konnte
sie den Fahrtwind schon in ihren Haaren spüren, als plötzlich ihr
Handy klingelte und sie aus ihrer Fantasie gerissen wurde. Hastig
schnappte sie es sich und nahm den Anruf entgegen.

„Hi.“ Sagte sie gut gelaunt. „Okay
ich komm raus.“ Sie legte auf, schnappte sich ihre Handtasche und
eilte die Treppe hinunter auf die Straße. Naoji stand dort und
lehnte an seinem Wagen. Sie begrüßten sich und machten sich auf den
Weg.

„Was zeigst du mir heute?“ Fragte
Kagami neugierig.

„Wir fahren erst mal in die
Werkstatt.“ Meinte Naoji.

Sie runzelte die Stirn. „Hm? Stimmt
was mit dem Wagen nicht?“ Fragte sie Besorgt.

„Nein, mit ihr ist alles in Ordnung.
Aber ich denke, es ist am besten, wenn du von Grund auf verstehst wie
ein Auto überhaupt funktioniert, bevor du versuchst damit Unsinn zu
machen.“

Kagami zog ihre Augenbraue nach oben,
das klang gar nicht nach der Art Spaß die sie sich erhofft hatte.
Frustriert pustete sie die Luft aus ihrer Lunge und starrte aus dem
Fenster. Naoji bemerkte ihr Desinteresse. „Glaub mir, das ist
spannender als du denkst.“

Als sie bei Deisukes Garage ankamen
parkte er das Auto und sie stiegen aus. Es kam ihm etwas seltsam vor,
normalerweise war Deisuke immer in der Garage am werkeln und wenn er
doch mal nicht da war, war zumindest das Tor zu, doch es stand offen
und von Deisuke war keine Spur. Naoji schielte vorsichtig in die
Garage, es waren ein paar Öl oder Kühlmittel Spritzer auf dem Boden
und Werkzeug lag unordentlich auf dem Boden. Das Passte gar nicht zu
ihn, es war sonst immer alles Top in Schuss. Er streckte seine Hand
nach hinten. „Warte mal kurz.“ Sagte er zu Kagami und betrat
vorsichtig die Garage. Langsam ging er ins hinter Zimmer, er hörte
einen Wasserhahn laufen und konnte erkennen das Jemand im Bad war.
Als er nach hinten durch die Tür ging, krallte er sich im vorbei
gehen ein altes Radkreuz, nur für den Fall das er jemanden umhauen
müsste.

„Deisuke?“ Rief er.
Die Person schloss den Wasserhahn und
drehte sich erschrocken um.

„Oh! Fuck!“ Erschrak Naoji als er
Deisukes blutiges Gesicht sah. „Was ist den mit dir passiert?“

„Ach halb so wild.“ Meinte er und
wischte sich das Blut von der Nase. „Nur n paar unzufriedene
Kunden, die zu blöd sind ihre Turbos kalt zu fahren.“

„Okay.“ Sagte Naoji erstaunt und
etwas entsetzt. „Aber ansonsten geht’s dir gut.“

„Alles Shiny.“ meinte er und
blinzelte ihm zu.

Sie liefen wieder nach hinten in die
Garage wo Kagami ungeduldig wartete. „Oh, ich wusste gar nicht das
du auf Frauen stehst.“ Scherzte Deisuke.

„Wenn du mit Frauen, Autos meinst...“
Sagte Naoji. „Das ist Kagami, sie will das ich ihr beibringe wie
man schnell fährt.“

„Vor allem schnell um die Kurven.“
Sagte sie.

„Ja und ich dachte es wäre ganz gut
wenn ich ihr erst mal zeige wie ein Auto von Grund auf funktioniert.“

„Ah, weise Entscheidung.“ Meinte
Deisuke und hob den Zeigefinger. „Wirst langsam doch noch
erwachsen.“



Ryo betrat den großen Balkon, man
konnte über das gesamte Anwesen blicken. Er war schon lange auf,
hatte wie immer ordentliche Kleidung an und genoss die Aussicht.
Seine Mutter und sein Vater betraten ebenfalls den Balkon.

„Ach, was für ein schöner Tag.“
Meinte seine Mutter und reichte Ryo eine Tasse Kaffee.

Er nahm sie lächelnd entgegen,
eigentlich war ihm viel zu warm für Kaffee, aber er trank ihn
trotzdem. Seine Eltern nahmen auf den Gartenmöbeln unter dem großen
Sonnensegel platz, doch Ryo blieb am Geländer der Terrasse stehen.
Er drehte sich zu ihnen um und lehnte sich an.

„Ryo.“ Sagte sein Vater mit seiner
tiefen, rauen Stimme und seinem ernsten Gesichtsausdruck. „Du warst
gestern in der Altstadt?“

Seine Mutter setzte den Kaffee ab und
blickte ihn mit großen Augen an.

„Hm?“ Entgegnete Ryo fragend.
„Altstadt?“

„Ja, ein bekannter von mir hat dort
deinen Wagen gesehen. Was hast du da gemacht?“

Nun konnte er sich denken was sein
Vater meinte.

„Ach so, ich wusste nicht das dieses
Viertel als Altstadt bezeichnet wird. Ich hab zufällig jemanden
kennengelernt und sie dort hin gebracht.“

„Eine Frau? Hast du dich mit einer
Prostituierten getroffen?“ Fragte er direkt.

„Was? Nein.“ Entgegnete er
fassungslos. „Sie wurde auf einem Parkplatz von zwei Typen
überfallen, ich hab ihr geholfen und sie dort hin gefahren, das
wars.“

Seine Mutter mischte sich nun ein. „Das
ist kein Ort für dich. Es ist sehr gefährlich dort.“

„Von jetzt an wirst du nicht mehr
dort hin fahren.“ Sagte sein Vater. Er wirkte nicht sauer, sonder
ganz ruhig und gelassen, doch trotzdem lag eine strenge Spannung in
der Luft.

„Warum? Ich kann doch wohl hin fahren
wo ich will?“ Sagte er trotzig.

Jetzt wurde sein Vater laut und verlieh
seiner Aussage mehr druck. „Wenn ich dich noch mal dort sehe wirst
du nichts mehr haben womit du dort hin fahren kannst.“ Drohte er.



Deisuke war völlig in seiner
Lehrerrolle aufgegangen.

„Naja, ein Wagen braucht nicht
unbedingt einen Turbolader. Der Vorteil von Motoren die
selbst-saugend sind ist, dass du direkte Kontrolle über das Gas
hast. Bei Turboladern entsteht immer ein sogenanntes Turboloch.“

Kagami saß auf dem Kofferraum des S15
und hatte einen kleinen Notizblock vor sich auf den Heckspoiler
gelegt. Mit großen Augen machte sie sich interessiert Notizen.

Naoji lehnte wie üblich an der Wand
und sah den beiden zu, sein Plan war perfekt aufgegangen, doch sein
Blick schweifte immer wieder auf Kagami ab. Bedingt durch den warmen
Sommer trug sie einen schwarzen Rock und ein weißes Oberteil. „Sie
hat so lange Beine.“ Dachte er. „Und sie sieht wirklich gut aus.“
Kagami lehnte sich nach vorn und legte ihre Ellenbogen auf dem
Spoiler ab. Naojis Augen wurden immer größer und er verfiel dem
schwärmen seiner Gedanken. Bis sie bemerkte das er sie,
offensichtlich anstarrte. „Naoji, was guckst du denn so?“ Sagte
sie etwas empört. „Starrst du mich etwa an?“

Das riss ihn aus seinen Gedanken und er
versuchte sich zu rechtfertigen.

„Was? Nein, ich hab nur...“ Er
wurde von Deisukes Gelächter unterbrochen der sich köstlich
amüsierte. Kagami schlüpfte unter dem Heckspoiler heraus, als sie
sich die Heckklappe herunter gleiten ließ. „Also wirklich.“
Meinte sie.

Naoji kratze sich am Hinterkopf und sah
sie verlegen an.

„Naja, ich glaube ich hab für heute
erst mal genug. Kannst du mich nach hause fahren?“ Fragte sie ihn.

„Ähm, ja. Sicher!“ Stotterte
Naoji, der wieder in der Realität gelandet war.

Sie verabschiedeten sich von Deisuke
und stiegen in den Nissan.

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Bom (11.12.2017), Skorpion (11.12.2017), dro (11.12.2017), HolgMan (11.12.2017)